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Macht Lernen dumm?


In seiner Sendung spricht Richard David Precht mit dem Hirnforscher und Schulkritiker Gerald Hüther über den „Skandal Schule“. Was läuft warum falsch in unserem Bildungssystem?

Die brennenden Fragen sind:

  • Was steht einer dringend notwendigen, umfassenden Bildungsrevolution im Wege? Warum ist unser Bildungssystem so wenig lernfähig?
  • Warum bringen wir unsere Schulen und Hochschulen nicht auf die Höhe unseres Wissens über das Lernen?
  • Liegt es daran, dass ein völlig verändertes Bildungssystem, das nicht nur jedem eine gerechte Chance gibt, sondern kreative, eigenständige und unbequeme Persönlichkeiten hervorbringt, zugleich eine ganz andere Gesellschaft voraussetzt oder entstehen lässt?
  • Fördert das Ausbildungssystem ein hirnloses Repetieren?

Es ist also klar: Neue individuelle Schulmodelle müssen her. Ideen, wie das gelingen kann, gibt es viele – einige davon praktikabler als andere. Hier ein paar Ideen:

1. Lernen an praxisbezogenen Orten

Die Kinder sollen je nach Fach an einen Ort gehen, das mit dem Unterricht direkt in Verbindung steht. Je nach Schwerpunkt lernen die Kinder dann beispielsweise in einem Konzertsaal oder einem Startup-Büro. Gerade in dicht besiedelten Städten löst man so das Platzproblem. Außerdem spart die Schule Kosten für Gebäudeflächen.

2. Lehrer nicht als reine Lehrende, sondern als Potenzialentfalter

Die Gründerin der School for Excellence, Annabel Esman, erklärt das Konzept auf der Website der Schule folgendermaßen: “Unser Plan war es, eine Schule aufzubauen für Kinder und Jugendliche zwischen vier und 18 Jahren, in der jeder Schüler individuell in den Bereichen unterstützt wird, in denen er besonders gut ist.”

Diese Idee unterstützt auch der Hirnforscher Gerald Hüther. In einer Talkshow des „NDR“ sagte er, der zentrale Denkfehler im deutschen Schulsystem bestehe in der Annahme, man müsse Kinder belehren, sie bewerten, sie selektieren. “Wenn ein Kind aus einer Gruppe ausgeschlossen wird, weil es beispielsweise nicht den gleichen Lernrhythmus hat wie die anderen, werden im Gehirn die gleichen Netzwerke aktiviert wie wenn man Schmerzen zugefügt bekommt. Und da frage ich die Lehrer: Glaubt ihr, dass man was lernen kann, wenn man Schmerzen hat?”

3. Jeder lernt so schnell, wie er schafft

Ein häufiger Kritikpunkt am klassischen Schulmodell ist die mangelnde Flexibilität, was die Lerngeschwindigkeit angeht. In der Tat ergibt es wenig Sinn, alle Schüler in allen Fächern gleich schnell zu unterrichten. Einige brauchen etwas mehr Zeit, eine mathematische Formel zu verstehen, während sich andere mit dem Notenlesen schwerer tun.

4. Öffnungszeiten wie ein Geschäft

Auch zeitliche Flexibilität will die Schule anbieten. Sie soll 50 Wochen im Jahr von 8 bis 20 Uhr geöffnet sein. Damit wird sie ein Lernort, eine Lernoase.

5. Jahrgangsübergreifende “Lernbüros”

Ein Projekt, das schon seit Jahren erfolgreich läuft, ist die 2007 gegründete Evangelische Gemeinschaftsschule Berlin Zentrum. Sie ist angelegt nach dem Prinzip “ich kann” statt “du sollst”. Der Unterricht in Fächern wie Deutsch, Englisch und Mathematik findet in “Lernbüros” statt, in denen Schüler verschiedenen Alters zusammenkommen.

6. Selber entscheiden, wann die Klausur ansteht

In der Evangelischen Gemeinschaftsschule Berlin Zentrum bezieht sich die Eigenverantwortlichkeit der Schüler auch auf die Prüfungen. Erst, wenn ein Schüler das Gefühl hat, dass er den Stoff sicher beherrscht, meldet er sich für den Test an. Besteht er ihn, erhält er ein Zertifikat für den betreffenden Themenabschnitt. Auch hier gilt das von Rasfeld propagierte “ich kann” und nicht “du sollst”.

Noch sind derartige Projekte nur an Privatschulen realisierbar. Dort zahlen Eltern einen Beitrag, damit die Kinder in den Genuss neuer Lernkonzepte kommen. Es ist aber höchste Zeit, dass zumindest einige der Ideen, wie Lernen individueller, kreativer, spannender werden kann, auch in staatlichen Schulen ankommt. Oft scheitert die Erneuerung nämlich nicht am Geld – sondern am Willen zur Veränderung.

Quellen:

 

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