Gedanken, Ideen, Tips, etc. zu Veränderungen

Beiträge mit Schlagwort ‘Innovation’

Transforming the pyramid to an agile organization – This is agile


Ich bin letzthin über ein gutes Video gestolpert, dass ich Euch nicht vorenthalten will:

Zum Nachlesen:

https://blog.crisp.se/2017/01/03/jimmyjanlen/transforming-the-pyramid-to-an-agile-org#more-8475

Und nicht vergessen:

Die Ablösung von Bürokratie und langsamen Prozessen durch autonome, schnelle Teams ist nicht umsonst. Das Öl, das den Motor zum Laufen bringt, ist Kommunikation – viel Kommunikation.

UND

Die Transformation muss von den Mitarbeitern mitgetragen oder besser gestaltet werden. Es ist absolut wichtig, dass der innere Wert eines Menschen – die Würde – erhalten und einbezogen wird. 

Der Mensch ist keine Maschine: „Keine Maschine“ von Tim Bendzko

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Theorie U und Design Thinking


Wie passt Design Thinking und Theorie U zusammen? Sie scheinen sehr ähnlich zu sein und doch verschieden.

Theorie U

Daher zuerst mal eine kurze Einführung zur Theorie U:

Praktisch angewendet sieht das dann so aus:

1-Theorie-U und Designthinking

Die Schritte sind im Einzelnen:

1. & 2. HALTEN DES RAUMES DES HÖRENS: Die fundamentale Fähigkeit des U ist das Zuhören. Anderen zuhören. Sich selbst zuhören. Und dem zuzuhören, was aus dem Kollektiv hervorgeht. Effektives Zuhören erfordert die Schaffung eines offenen Raumes, in dem andere zum Ganzen beitragen können.

3. BEOBACHTUNG: Die Fähigkeit, die „Stimme des Urteils“ zu suspendieren, ist der Schlüssel zum Übergang von der Projektion zur fokussierten und peripheren Beobachtung.

4. SENSING (Spüren, Fühlen): Das System von den Rändern aus betrachten. Die Vorbereitung auf die Erfahrung am unteren Ende des U erfordert die Abstimmung dreier innerer Instrumente: des offenen Geistes, des offenen Herzens und des offenen Willens. Dieser Öffnungsprozess ist ein aktives „Fühlen“ gemeinsam als Gruppe. Während ein offenes Herz es uns erlaubt, eine Situation aus dem gegenwärtigen Ganzen zu sehen, ermöglicht uns der offene Wille, aus dem Ganzen, das entstehen will, zu spüren.

5. PRESENCING: Die Fähigkeit, sich mit den tiefsten Quellen des Selbst zu verbinden, um an den inneren Ort der Stille zu gelangen, wo das Wissen an die Oberfläche kommt.

6. KRISTALLISIEREN: Wenn sich eine kleine Gruppe von Veränderungsproduzenten zu einem gemeinsamen Ziel bekennt, schafft die Kraft ihrer Intention ein Energiefeld, das Menschen, Chancen und Ressourcen anzieht, die Dinge möglich machen. Diese Kerngruppe und ihr Container fungieren als Vehikel für die Manifestation des Ganzen.

7. PROTOTYPING: Die Bewegung auf der linken Seite der U erfordert, dass sich die Gruppe öffnet und sich mit dem Widerstand des Denkens, der Emotionen und des Willens auseinandersetzt; die Bewegung auf der rechten Seite erfordert die Integration von Denken, Fühlen und Wollen im Kontext von praktischen Anwendungen und Learning by doing.

8. & 9. CO-EVOLVING: Ein prominenter Geiger sagte einmal, dass er nicht einfach seine Geige in der Kathedrale von Chartres spielen könne; er musste den gesamten Raum, die so genannte „Makrogeige“, „spielen“, um sowohl dem Raum als auch der Musik gerecht zu werden. Ebenso müssen Organisationen auf dieser Makroebene agieren: Sie müssen die richtigen Akteursgruppen zusammenbringen, um ihnen zu helfen, auf der Ebene des Ganzen mitzuspüren und mitzugestalten.

Design Thinking

Und jetzt mal zu Design Thinking:

2-Theorie-U und Designthinking

Theorie U und Design Thinking kombiniert

Legt man nun beides zusammen entsteht folgendes Bild:

3-Theorie-U und Designthinking

Das lässt den Schluss zu, dass beide Methoden:

  1. ähnlich sind
  2. menschenzentriert
  3. Kreativ
  4. umfassend

Sie unterscheiden sich dadurch, dass Design Thinking nur ein Subset der Theorie U behandelt. Durch die Kombination der beiden Methoden kann man ein viel mächtigeres Werkzeug erschaffen, das uns hilft bessere Lösungen zu kreieren.

Wir können also

  • die Theorie U anreichern mit den kreativ Methoden von Design Thinking und
  • Design Thinking anreichern  mit den mehr menschlichen Faktoren von der Theorie U. Hier im speziellen Schritt 5,  im obigen Bild: PRESENCING

 

Die TOP 7 der meistgelesenen Beiträge im Jahr 2017


Dieser Blog hat im Jahr 2017 10806 Besucher gehabt. Diese Besucher haben folgende Hitparade erstellt:

  1. Platz: Richard David Precht im Interview: „Industrie 4.0“ – Wir können lernen, das Denken nicht komplett den Maschinen zu überlassen
  2. Platz: Eine Konferenz zu Reinventing Organizations auf Deutsch  – Der belgische Unternehmensberater Frederik Laloux hat viel Aufmerksamkeit erregt mit seinen Studien über Unternehmen, die Hierarchie und Maschinendenken weit hinter ich lassen und Organisationen als lebendiges Wesen verstehen.
  3. Platz: 5 Trends, die das Projektmanagement verändern werden  – Die Projektmanagementlandschaft wird im Jahr 2017 anders aussehen. Da sich Klienten, Stakeholder, Unternehmen, Regierungs- und Umweltschutzerwartungen verändern, werden die Anforderungen an PM-Zertifizierungen, technisches Wissen und Schulungen stark steigen – aber das ist noch nicht alles.
  4. Platz: Das japanische Konzept von Ikigai: Ein Grund zum Leben – In Japan ist die Idee, einen Zweck zu haben – was die Franzosen eine raison d’etre nennen – ist kaum bahnbrechend. Die Japaner haben schon lange ein Wort für diesen Sinn: Ikigai .
  5. Platz: Die Entwicklung der Organisationen: Auf dem Weg zur TEAL Organisation – Ein absolutes „Must-See“ für alle, die sich Gedanken über eine bessere Form der Zusammenarbeit und des Miteinander sein machen.
  6. Platz: Wie Lernen am besten gelingt – Prof. Dr. Gerald Hüther  – Es scheint, dass wir Lernen als Vorgang noch nicht ganz verstanden haben. Gerade in der Kindheit werden da die Fundamente gelegt und als Eltern ist man sich dessen gar nicht bewusst. Ja man delegiert hier das Lernen an die Schule und ist dann überrascht, wenn die Kinder hier ausbrechen, weil ihr natürlicher Lerndrang kannibalisiert wird.
  7. Platz 7: Changemanagement a la Dilbert  – Hat Ihre Organisation Mühe mit Veränderungen? Dann sehen Sie sich doch die Cartoons von Dilbert an. Kommt Ihnen irgendwas bekannt vor?

Vielen Dank für Ihren Besuch!

 

Der „Purpose-Process“-Kreis – ein Werkzeug um Unternehmen ganzheitlich zu betrachten


In der Praxis ist es nicht ganz einfach ein Unternehmen ganzheitlich zu betrachten und alle Dimensionen miteinander zu verbinden. Oftmals besteht zum Beispiel keine offensichtliche und sichtbare Verbindung zwischen Strategie und den Prozessen. Da ist es nicht verwunderlich, wenn einzelne Elemente ein Eigenleben führen und nicht mit den anderen aligniert sind.

Es ist auch schwer diese Verbindungen herzustellen und die Übersicht zu erhalten und zu wahren, weil diese Informationen sich an ganz verschiedenen Orten befinden.

Der  „Purpose-Process“-Kreis

Der  „Purpose-Process“-Kreis ist nun das Hilfsmittel um diese Übersicht zu erstellen und laufend zu ergänzen, so dass die Ganzheitlichkeit des Unternehmens erhalten bleibt. Dieser „Purpose-Process“-Kreis besteht aus konzentrischen Kreisen und beschreibt 4 Bereiche, die es erlauben die Brücke vom Zweck oder Mission/Vision des Unternehmens bis hinunter zu den einzelnen Prozessen und Prozeduren zu machen.

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Evolutionären Zweck

Das ist der Zweck der Existenz des Unternehmens der sich laufend weiter entwickelt kann und somit nicht in Stein gemeisselt ist. Er beantwortet die Frage: Was ist der tieferen Grund, dass diese Organisation besteht?

Werte

Die Werte einer Organisation ergeben sich aus dem evolutionären Zweck und aus den Menschen, die diese Organisation ausmachen. Dadurch das die Mitarbeiter diese Werte leben entsteht eine Kultur, die identifiziert werden kann. Auf keinen Fall können Werte einem Unternehmen aufgepfropft werden. So etwas wird immer künstlich wirken. Wenn neue Mitarbeiter in das Unternehmen kommen, werden sie viel von den bestehenden Werten übernehmen, aber diese auch von nun an mitgestalten.

Prinzipien

Prinzipien (von lat. principium = Anfang, Beginn, Ursprung, Grundsatz) stellen Grundsätze dar, die anderen Gesetzmäßigkeiten wie Prozessen übergeordnet sind. Sie werden aus den Werten und dem evolutionären Zweck geboren um bei aktiven Handeln eine Orientierung zu haben. Bei Unsicherheiten im täglichen Tun kann man das übergeordnete Prinzip zu Hilfe ziehen und so handeln, dass es eingehalten wird.

Prozesse & Prozeduren

Ein Prozess oder Prozedur (von lat. procedere = vorwärts gehen) ist eine Menge logisch verknüpfter und definierten Einzeltätigkeiten (Aufgaben, Arbeitsabläufe), die ausgeführt werden, um ein bestimmtes geschäftliches oder betriebliches Ziel zu erreichen. Ein definierter und dokumentierter Prozess ist in der Regel der bestmöglichste Vorgang eine Aufgabe zu bewältigen.

In der Realität zeigt sich jedoch, das nicht aller Abläufe so gut definiert und implementiert werden können, dass sie allen Anforderungen genügen. Daher adaptieren die Ausführenden den Ablauf jeweils so, dass er optimal ist und dem Kunden den maximalen Mehrwert liefern kann. In solchen Fällen ist es gut definierte Prinzipien als Fundament, auf das man sich stützen kann,  zu haben um gerade in einer hoch komplexen Welt überhaupt noch reagieren und agieren zu können.

Anwendung

Der  „Purpose-Process“-Kreis wird von Innen nach Aussen gefüllt, wobei die Bereiche Evolutionärer Zweck und Werte meistens stabil bleiben. Man sucht sich nun einen Bereich oder Sektor aus, den man betrachten will und ergänzt entsprechend den Kreis in den Bereichen Prinzipien und Prozesse & Proceduren. Dabei sollten die Beziehungen eventuell durch Verbindungslinien sichtbar bemacht werden. Bei der Aufnahme dieser „Bereiche“ gilt vor allem, dass man unvoreingenommen rein die bestehenden Fakten und Zustände erhebt. Es soll nicht interpretiert werden.

Erst wenn man den ausgefüllten „Purpose-Process“-Kreis vor sich liegen hat, soll man sich fragen was diese Sicht uns sagen soll und kann. Denn damit wird die Basis gelegt um positive und wirkungsvolle Veränderungen anzustossen.

Zur Illustration wurde ein „Purpose-Process“-Kreis der Firma patagonia erstellt (Quelle der Informationen ist die Web-Site). Sie zeigt was in den verschiedenen Bereichen sich befinden kann.

Zweck-Prozess-Rad

Wann machen Sie Ihren ersten „Purpose-Process“-Kreis?

Die Power Point Vorlage können Sie hier anfordern.

Die ABCDE des Kulturwandels – Die Werte hinter der Soziokratie


von Go to the profile of Jennifer Rau  Jennifer Rau übersetzt von Michael Wyrsch

 

Ich gehöre zu den glücklichen Menschen, die die Soziokratie so erlernt haben, wie eine Person ihre Muttersprache lernt – und sich in der Praxis wiederfinden. Ich lernte es nicht durch Anweisung; ich lernte es durch Handeln, als ich einer selbstverwalteten Organisation beitrat, die seit 15 Jahren läuft und schon eine Weile Soziokratie betrieben hatte. Ich habe unserer Governance anfangs nicht viel Aufmerksamkeit geschenkt – schließlich sind viele Dinge neu, wenn man in eine neue Organisation eintritt. Ich erinnere mich jedoch, als ich zum ersten Mal bemerkte, dass die Meetings anders waren. Es war einer dieser Momente, in denen man etwas sagt und dann bemerkt, dass es wahr ist, als ich mich sagen hörte: „Ich verlasse das Meeting erfrischter, als ich gekommen bin, inspirierter und fühle mich mit jedem in dieser Gruppe verbunden.“ Sich mehr verbunden zu fühlen und Dinge zu erledigen, das war neu für mich. Und sehr ansprechend!

Nachdem ich in der Organisation vollständig eingetaucht war und die meisten Werkzeuge der Soziokratie erlernt hatte – Runden, Zustimmung, Umgang mit Einwänden, Auswahlprozess, Verlinkung – begann ich tiefer zu schauen. Die Werkzeuge sahen einfach und leicht anwendbar aus, aber sie sorgten für grosse Effekte. Ich interessierte mich dafür, welche Werte diese Werkzeuge verkörpern. Man könnte es den „versteckten Lehrplan“ der Soziokratie nennen. Oder, da die ersten Buchstaben der Werte, die ich gefunden habe, magisch mit den ersten 5 Buchstaben des lateinischen Alphabets übereinstimmen, nennen wir es das ABCDE der Soziokratie!

A

A steht für Authentizität

Authentizität hat für mich einen hohen Stellenwert. Authentizität führt zu mehr Ehrlichkeit und damit zu besseren und realistischeren Entscheidungen, die dann zu höherer Effektivität führen. Die Fähigkeit, in unseren Organisationen authentisch zu sein, schafft eine wünschenswerte Arbeits-/Lebensumgebung, die es wahrscheinlicher macht, dass Menschen zufrieden sind und bereitwillig einen Beitrag leisten. Mehr noch, Authentizität gibt uns die Fähigkeit, als das gesehen und bekannt zu werden, was wir sind, ein universelles Bedürfnis, das wir alle teilen.

Wie unterstützt die Soziokratie die Authentizität?
  • In der Soziokratie machen wir Runden. Das bedeutet, dass alle eingeladen werden, einzeln zu sprechen. Die Teilnehmer können uns nach dem Meeting nicht sagen, dass Sie nicht um Ihre Meinung gebeten wurden, weil in einer Runde jeder an der Reihe ist. Den Wert, den jede Runde verkörpert, ist: Wir wollen hören, was Sie/Du denken. (Wenn Sie nichts zu sagen haben, könnten Sie passen. Nichts sagen ist jedoch eine Entscheidung, die ein Teammitglied trifft, und unterscheidet sich stark von dem Vorgang nicht gefragt zu werden.)
  • Bei der Beschlussfassung über die Zustimmung gibt es kein Zurücktreten und keine Enthaltung. Menschen folgen in der Soziokratie nicht passiv „Befehlen folgen“. Die Gruppe braucht die Zustimmung, um strategisch und taktisch vorwärts zu gehen. Sie müssen sich entscheiden, Sie sollen „Ich stimme zu“ sagen oder uns mitteilen, worüber Sie besorgt sind. Wie auch immer, die Entscheidungsmethode zwingt Sie dazu, als verantwortliches Mitglied der Organisation aufzutreten. Sie müssen sich rechtfertigen. Keine Ausreden mehr. Verstecken ist einfach keine Option iin dieser Konsenskultur.
  • Die Soziokratie ist äußerst transparent, und Transparenz führt zu Authentizität. Alle Sitzungsprotokolle und Finanzdokumente sind offen. Wir geben offeneres Feedback, als die meisten Menschen es gewohnt sind. Es gibt kein Verstecken, und es gibt keine Machtspiele. Vor kurzem hat mir jemand gesagt, dass Soziokratie und IT so gut zusammenpassen, weil „Code nicht lügt“. In ähnlicher Weise kann eine transparente Organisation nicht lügen. Diese Transparenz schafft Authentizität. Wenn man gezwungen ist, vollkommen transparent zu sein, kann man genauso gut authentisch sein.

B

B steht für Balance

Balance entsteht, wenn wir Wert in konkurrierenden oder gegensätzlichen Ansichten sehen und dann kreative Lösungen finden, die das Beste aus diesen Unterschieden machen. Wir erkennen an, dass die Wahrheit nicht schwarz und weiß ist und dass mehr als ein Gedanke oder eine Tatsache wahr sein kann, auch wenn dies widersprüchlich erscheint. Balance bedeutet zu akzeptieren, dass jeder Mensch seine eigene Erfahrung machen kann und „gut und schlecht“ nicht zutrifft. Auf diese Weise ist Balance eine Denkweise darüber, wie wir die Welt sehen. Es ist befreiend: Wir müssen uns nicht gegenseitig davon überzeugen, dass wir Recht haben. Es geht nicht mehr darum, Recht zu haben, denn es geht nicht um dich oder mich. Es geht um uns alle. Die Überwindung binärer Unterscheidungen und das gleichzeitige Akzeptieren von mehr als einer Wahrheit wird oft als „beidseitiges Denken“ bezeichnet.
Die Soziokratie unterstützt auf subtile, aber kraftvolle Art und Weise die beiden Seiten und die Mentalität.

  • Balance durch „Double Linking“: Immer wenn ein Team ein Subteam bildet, berichten zwei Mitglieder dieses Subteams, die Vollmitglieder sowohl der „höheren“ als auch der „niedrigeren“ Arbeitsgruppe sind, an das „Eltern“-Team. double-linkWarum zwei Menschen? Aus einem ganz praktischen Grund: Es werden immer zwei Personen im Raum sein, die über das gleiche Thema berichten können. Diese winzige Veränderung verändert die Energie ein wenig. Wenn wir wissen, dass sich jemand anderes im Raum befindet, der die Dinge vielleicht anders erlebt hat (und vielleicht selbst einen anderen Bericht abgibt), dann machen wir uns bewusst, dass es zu jedem Thema unterschiedliche Perspektiven gibt. Allein die Anwesenheit der anderen Person im Raum wird uns dazu inspirieren, zu beobachten, was wir sagen („Ist das wahr?“,“Fängt es die ganze Geschichte ein?“). Wir werden offener sein, wenn wir akzeptieren, dass unsere eigene Sichtweise voreingenommen oder unvollständig sein könnte. Die Leute benutzen Phrasen wie „von dem, was ich gesehen habe…“, oder „es wird interessant sein zu hören, wie NN das erlebt hat, aber für mich…“ Wir sind eher bereit zu akzeptieren, dass jeder von uns nur ein Teil des Puzzles der Realität hat. Zwei Personen berichten zu lassen, anstatt nur einen zu haben, ist ein lächerlich einfaches Werkzeug. Aber es verändert unser Denken und Reden über unsere Arbeit, unsere Gruppe und uns selbst.
  • Mehrheitsentscheidungen führen oft zu polarisierenden Ansichten: richtig/falsch, ja/nein, gut/schlecht. Wenn wir abstimmen, müssen wir entscheiden. Auch der Konsens ist nicht frei von polarisiertem Denken, da er richtige/falsche Debatten anregen kann. Manchmal gibt es keinen Ausweg aus dem richtigen und falschen Denken, denn im Konsens beiseite zu stehen, kann leicht die Botschaft tragen: „Was du tust, ist falsch, aber ich bin nicht bereit, Verantwortung zu übernehmen“. Da jeder in der Gruppe zustimmen muss, damit eine politische/strategische Entscheidung getroffen werden kann, werden wir viel eher auf eine Win-Win- oder eine Beide-und-Beziehung hinarbeiten. Die Zustimmung wird uns zwingen, einen ganzheitlichen Systemansatz zu verfolgen, denn Recht zu haben bringt uns nirgendwo hin. Wie können wir jenseits von Recht und Unrecht eine Lösung finden, mit der jeder arbeiten kann?

C

C steht für Anschluss (Connection)

Die Verbindung ist meines Erachtens das am meisten unterschätzte Bedürfnis in unserer westlichen Gesellschaft. Verbindung ist das, wofür Menschen verkabelt sind, ein eigener Wert. Die Verbindung ist die Grundlage für die Pflege, für die Zusammenarbeit und sie ist der soziale Kleber für alles, was wir tun.
Die Soziokratie unterstützt die Verbindung in vielerlei Hinsicht. Wo binäre Unterscheidungen wie richtig/falsch einen trennenden Charakter haben – die Welt aufteilen in diejenigen, die auf der einen Seite stehen, und jene, die auf der anderen Seite stehen – wird das Ausbalancieren von Ansichten und Bedürfnissen zwischen Menschen oder Gruppen dazu dienen, uns zu verbinden. Wir wollen uns verbunden fühlen, gepflegt und gesehen für das, was wir sind. Jede Governance-Methode, die die Verbindung zwischen Menschen unterstützt, wird uns dabei unterstützen, in unserer Zusammenarbeit menschlich und human zu sein.
Während operative Entscheidungen von Einzelpersonen im Rahmen der gemeinsamen Grundsätze und Prinzipien getroffen werden können, ist die Grundlage für jede politische und strategische Entscheidung in der Soziokratie der Kreis. Der Kreis ist die Gruppe, in der Vertrauen und Wertschätzung im Laufe der Zeit wachsen können, wenn wir zusammenarbeiten und mit schwierigen Entscheidungen ringen. Verbindung erfordert eine emotional sichere, konsistente Gruppe von Menschen. So kann Zuhören, Lernen und Überlegen geschehen.

  • Jede sozialdemokratisches Meeting beginnt mit einer Eröffnungsrunde, in der jeder das teilen kann, was im Moment für ihn da und wichtig ist. Was sie sagen, kann etwas mit dem Meeting oder mit etwas außerhalb des Meetings zu tun haben. Was auch immer die Leute sagen, wir lernen uns besser kennen, wenn die Leute diese Gedanken und Anliegen teilen. Ein Teammitglied teilt vielleicht mit, dass sein Kind die ganze Nacht über Fieber hatte oder dass bei seiner Mutter gerade eine Demenz diagnostiziert wurde. Wir sind alle Teil des wirklichen Lebens, und je mehr wir voneinander wissen, desto mehr können wir Mitgefühl haben. Manchmal setze ich mich nach einer Check-in-Runde dazu:“Wow, wir sind alle Menschen. Jede mit ihrer eigenen Geschichte und seinem eigenen Kontext. Wir tun alle unser Bestes.“ Die Schönheit des Menschseins verbindet uns. Ich liebe es, wenn die menschliche Verbindung zum Ausgangspunkt jeder Begegnung wird.
  • Wie bereits erwähnt, sprechen wir in der Soziokratie fast ausschließlich in Runden. Das bedeutet, dass jeder sprechen darf. Das bedeutet auch, dass jeder die Möglichkeit hat, zuzuhören. Wenn wir mehr zuhören (weil wir unsere Gegenerklärung noch nicht vorbereitet haben), bekommen wir ein besseres Gefühl dafür, was die Erfahrung eines Teamkollegen ist. Wir können langsamer werden und die Welt mit ihren Augen sehen (Empathisch). Je mehr wir uns kennen, desto besser können wir uns verbinden. Je mehr wir miteinander verbunden sind, desto angenehmer wird es sein, einander zu helfen, zusammenzuarbeiten und Dinge gemeinsam zu verwirklichen.

D

D steht für Discovery

Ist Entdeckung ein Wert an sich? Oder ist es nur wünschenswert, weil es uns irgendwohin bringt? Ich habe verstanden, dass das, was ich Entdeckung nenne, wie Balance, eher eine Denkweise ist: Es ist die Einsicht, dass wir nie fertig sind. Nichts ist jemals perfekt. Diese Erkenntnis kann unbequem sein, weil wir die Leichtigkeit des Denkens geniessen, dass alles erledigt wird. Aber wenn man sich erst einmal damit abgefunden hat, nicht perfekt zu sein, ist die Entdeckungszone ein aufregender Ort! Als Organisation und als Individuen ist das offene, „Growth Mindset“ die Art und Weise, wie wir lernen und uns verbessern.

Wie kommen wir in den Discovery-Modus und bleiben dort? Was hat die Soziokratie hier zu bieten?

  • Soziokratie erfordert Intentionalität (Ausrichtung aller seelisch-geistigen Kräfte auf ein Ziel.) bei der Überprüfung von Entscheidungen. In der Soziokratie hat jede Entscheidung ein Laufzeitende. Das bedeutet, dass wir jede Entscheidung in einem regelmäßigen (und gewählten) Zeitrahmen überprüfen können und sollen. Das ist gut an sich, aber es verändert auch unsere Einstellung. Wir haben es uns zur Gewohnheit gemacht, die Dinge im Laufe der Zeit zu verbessern.
    Wenn wir die Laufzeit einer Entscheidung beenden können, bedeutet das auch, dass wir sie nicht zu perfekt machen müssen, um damit anzufangen. Machen wir es gut genug, und dann sehen wir weiter. Die demütigende Idee von „ok, lasst uns sehen, was passiert“ ist ein nützliches Merkmal in einer so komplexen Welt wie der unseren. Wir können die Zukunft nicht vorhersagen. Die Dinge sind zu komplex, um Vorhersagen zu machen, da zu viele Systeme miteinander verbunden sind. Wenn ich eine Änderung an einer Stelle vornehme, kann ein Problem an einer anderen Stelle auftreten, wo ich es nicht erwartet habe. Anstatt also Vorhersagen zu machen, lassen Sie uns kleine Experimente durchführen und auf die Ergebnisse achten, die wir erhalten.
  • In der Soziokratie bitten wir um regelmäßiges Feedback. Reaktionsrunden, offene Wahlen mit Feedback, Leistungsüberprüfung, Policy Reviews, Meeting Evaluationen… wir sind ständig bestrebt zu hören, was wir besser machen können. Je mehr Informationen wir haben, desto besser werden unsere Entscheidungen sein. Wenn wir einen sicheren Raum zum Reden haben, führen mehr Informationen auch zu mehr Überlegungen. Soziokratie unterstützt Sie dabei, Ihre Meinung von Zeit zu Zeit zu ändern. Im Wahlprozess gibt es zum Beispiel sogar eine Runde namens „Change Round“ – dort können Sie Ihre Meinung ändern, nachdem Sie die Meinung Ihrer Teammitglieder gehört haben! In einer Welt, in der wir ständig versuchen, Recht zu haben, ist es ein erfrischendes Konzept, wenn man gebeten wird, etwas zu sagen und seine Meinung (oder auch nicht) nur wenige Minuten später zu ändern. Das ganze System ist so aufgebaut, dass wir wahrscheinlich beim ersten Mal nicht alles richtig machen werden, sondern dass wir weiterhin aufeinander und auf die Daten hören und es beim nächsten Mal besser machen werden.

Es gibt viele Rückmeldungen und Daten, die wir aufnehmen können, sobald wir dafür offen sind. Wir können immer etwas über unsere Arbeit, unsere Kommunikations-fähigkeiten und Beziehungen und über uns selbst lernen. Das Vergnügen, immer auf einer Reise zu sein, das ist es, worum es bei dieser Entdeckung geht.

Auf der oberflächlichen Ebene sehen wir eine technische Voraussetzung für Laufzeitende und Feedback-Mechanismen. Was auf einer tieferen Ebene geschieht, ist, dass wir es uns zur Gewohnheit machen können, uns zu verbessern und zu reflektieren. In der Soziokratie geht es nicht darum, dass der Begriff endet oder welche Art von Runde wann kommt. Das sind nur Strategien. Was wir wollen, ist der Effekt. Übrigens, wenn Sie eine andere Art und Weise haben, die gleichen Ergebnisse zu erzielen, dann gehen Sie darauf ein und stellen Sie sicher, dass wir davon hören. Dieses Governance-System ist darauf ausgelegt, sich im Laufe der Zeit zu verbessern!

E

E steht für Äquivalenz

Das ist eine große Sache. Vielleicht die Grösste. Das Wesen der Soziokratie ist: Niemand wird ignoriert. Warum sollte man niemanden ignorieren? Denn jede authentische Stimme ist gleich wertvoll. Und weil jeder Mensch ein Teil des Puzzles hat, das wir alle zusammenstellen wollen.
Wie verkörpern, praktizieren und unterstützen wir Äquivalenz in der Selbstverwaltung? Viele Instrumente und Prozesse sind bereits benannt: Transparenz zum Beispiel ebnet das Spielfeld. Wenn es kein Zurückhalten von Informationen gibt (absichtlich oder unabsichtlich), dann haben wir alle Zugang zu den gleichen Informationen und Ungleichheiten beim Zugang zu Informationen werden ausgeglichen. Wenn Entscheidungen durch Zustimmung getroffen werden, dann kann niemand in der Minderheit sein oder überwältigt werden. Wie die Gewaltlosigkeit ist die Äquivalenz in der Regierungsführung revolutionär, weil sie das, was wir getan haben – und vor allem tun -, auf den Kopf stellt. Gemeinsame Entscheidungsbefugnisse gehen auch Hand in Hand mit geteiltem Eigentum. Wenn das rechtliche Eigentum in der Hand von nur wenigen liegt, kann es keine geteilte Macht mit Nicht-Eigentümern geben. Gemeinsame Entscheidungen ohne gemeinsame oder verteilte Eigentumsverhältnisse sind nur kosmetischer Natur.

Gleichwertigkeit setzt Vertrauen voraus, dass Sie mich unterstützen und ich Sie unterstütze. Dass ich dich nicht überwältigen werde. Dass ich Ihre Bedürfnisse berücksichtigen und Ihre Stimme wertschätzen werde, auch wenn wir anderer Meinung sind. Es ist schwer, seinen eigenen Werten treu zu bleiben, wenn wir in Gefühle verstrickt sind, und deshalb bevorzuge ich es, Systeme zu haben, die mich dabei unterstützen, meinen Ansprüchen gerecht zu werden. Wie trägt die Soziokratie dazu bei?

  • Äquivalenz durch Zustimmung zur Beschlussfassung. Die Bedürfnisse aller liegen auf dem Tisch. Bei jeder Entscheidung weiss ich, dass es mir nichts bringt, meine eigene Agenda voranzutreiben. Wenn ich weiss, dass die Entscheidung am Ende die Zustimmung aller erfordert, werde ich entweder anfangen, nach Lösungen zu suchen, wobei ich weiss, dass alle Stimmen berücksichtigt werden müssen – oder ich werde auf halbem Weg in den Prozess bemerken, dass ich damit begonnen habe, etwas zu wollen, ohne vorher zuzuhören. Die Definition von Zustimmung („kein Einwand“) mag technisch klingen, aber die Wirkung ist zutiefst menschlich, verbindend, fürsorglich.
  • Äquivalenz wird durch die Kombination von Verlinkung und Zustimmung verkörpert, von unten nach oben bis zur Vorstandsebene. Jeder Arbeitnehmer kann als Bottom-up-Link gewählt werden und Mitglied eines „höheren“ Kreises mit vollen Zustimmungsrechten werden, und von dort bis auf Vorstandsebene. Das bedeutet, dass wir eine Vertretung der Arbeitnehmer auf allen Ebenen der Organisation haben werden. Da die Entscheidungsmethode Konsens auf allen Ebenen ist, kann die Stimme der Arbeitnehmer nicht überwältigt werden, auch nicht auf Vorstandsebene. Jede Power-Over-Strategie ist jetzt deaktiviert. Da die Soziokratie eine „Regierungsform“ derjenigen ist, die sich zusammenschließen oder zusammenarbeiten, gilt die Unterscheidung zwischen Arbeitern und Managern nicht einmal mehr.

Diejenigen, die mit den Auswirkungen ihrer Entscheidungen verbunden sind, lokal und global, werden bessere Entscheidungen treffen. Ein sozialdemokratisches Gremium (manchmal auch Top-Circle genannt) bringt die Stimmen aller Stakeholder und Außenstehenden zusammen. Zu einem Spitzenkreis gehören Delegierte von Arbeitnehmern, Eigentümern, Stakeholdern, Personen aus verwandten Organisationen (lokal oder global) und/oder aus der breiteren Gemeinschaft. Auf diese Weise hören Sie die Stimme aller, und Ihre Organisation kann Einfluss auf die breitere Gemeinschaft nehmen. Die Kombination von Zustimmung und Verlinkung ist ein Weg, um das Netz der Interdependenz zu formalisieren und darzustellen, zu dem wir gehören. Niemand kann ignoriert werden: niemand innerhalb der Organisation, kein Stakeholder und nicht die Gemeinschaft, der wir angehören.

ABCDE bewirkt Kulturwandel

Da wir alle so wenig Erfahrung mit geteilter Macht haben, helfen uns all diese Werkzeuge beim Üben. Ich habe gesehen, wie Organisationen mit der Soziokratie kämpften, als die Menschen immer noch Recht haben wollten, und selbst Runden halfen ihnen nicht beim Zuhören. Ein Governance-System kann nicht die Denkweise ändern. Aber es kann langsam, nach und nach, Interaktion durch Interaktion, Verhalten ändern, auch wenn die Menschen nicht wissen, der „versteckte Lehrplan“. Es kann den Menschen die Werkzeuge an die Hand geben, um ihren Ansprüchen gerecht zu werden. Es kann ein Umfeld schaffen, in dem Vertrauen wachsen kann. Es kann die Menschen daran erinnern, bewusst zu bleiben, was wir tun. Ein Governance-System, das ebenso gut durchdacht ist wie die Soziokratie, kann die Gewohnheiten der Menschen verändern, Gruppe für Gruppe, und so wird der Kulturwandel vollzogen.

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Anmerkung des Übersetzers: Es gibt immer noch Unsicherheiten wie sich Soziokratie und Holakratie unterscheidet. Der wichtigste Unterschied ist meines Erachtens die Ausrichtung der beiden Modellen:

  • Soziokratie ist Einheit von Menschen, die eine gemeinsame Vision haben und diese verwirklichen wollen. (Soziokratische Normen)
  • Holokratie ist Entität ausgerichtet auf ihren Seinszweck, also eine  Gruppe, die einen gemeinsamen Zweck/Purpose haben. (Holakratische Verfassung)

hier ist ein guter Vergleich zwischen Holacracy und Soziokratie (auf Deutsch, Ein tabellarischer Vergleich der beiden Modelle von Christian Rüther ) zu finden.

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Quelle: https://medium.com/@JenRau/the-abcde-of-culture-change-2bc746631b91

Vielen Dank für die Erlaubnis zum Übersetzen. Bitte auch zu diesem Thema die Website www.sociocracyforall.org    besuchen!

Sieben Grundvoraussetzungen für Innovation


Innovationen sind kein Zufall, sondern das Resultat der inneren Haltung eines Unternehmens. Jede Firma möchte innovativ zu sein – die wenigsten sind es wirklich. In der Praxis zeigt sich, dass für wahre Innovationen sieben Grundvoraussetzungen in Unternehmen erfüllt sein müssen.

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1 Das Unternehmensklima – Code of Conduct!

Du kennst das: Freude und Begeisterung sind gewaltige Antriebsfedern und verschaffen unserer Arbeit und unserem Tun einen Sinn. – Willkommen in einer Unternehmenskultur, in der den Menschen mit Respekt und auf Augenhöhe begegnet wird. In einer Unternehmenskultur, in der Fehler gemacht werden dürfen, weil sie die Chance zum Lernen und der Verbesserung mit sich bringen. Willkommen in einer Kultur, in der die Balance zwischen Beruf und Familie stimmt.

Du sagst: Solche Firmen gibt’s doch gar nicht? Ich halte dagegen: Sieh dir höchst erfolgreiche Weltunternehmen – zum Beispiel Google – an. Die innere Einstellung solcher Unternehmen zu ihren Mitarbeitern spiegelt sich in der Kreativität der Mitarbeiter im Außen und im Unternehmenserfolg wieder.
Lebe dieses Verhalten – den Code of Conduct – in deinem Unternehmen aktiv vor. Egal ob du Chef, Führungskraft oder Mitarbeiter bist.

Fazit: Der erste Baustein für Innovation ist ein ansteckendes
Unternehmensklima aus Begeisterung, Freude, Motivation, Wertschätzung
und Toleranz.

2 Das Verlangen nach dem Nutzen – Make Meaning!

Nutzen zu geben bedeutet – im Gegensatz zum Geld verdienen – die Welt zu verändern. Wer einzig mit dem Gedanken Geld zu verdienen ein Geschäft startet wird sehr wahrscheinlich kein Geld verdienen, er wird seinem Tun keine tiefere Bedeutung geben, wird nicht die Welt zum Besseren führen und nicht zuletzt scheitern.
Eine wichtige Voraussetzung für Innovation ist also – zu untersuchen, wie du mit deinem Produkt, deiner Dienstleistung, deinem Tun eine tiefe Bedeutung erreichst – wie du die Welt (ein bisschen) besser machen kannst.

Einige Beispiele: Der Sinn von Google ist Informationen zu teilen – Information allen Menschen zugänglich zu machen. eBays Sinn ist den Handel für jedermann zu ermöglichen. Auf dieser Plattform kann sich jeder auf Augenhöhe mit den großen Retailern messen. YouTube letztlich ermöglicht dir Videos zu drehen, Videos hochzuladen, Videos zu teilen. – Allesamt Firmen, die für den Menschen diese Bedeutung verschafft haben. – Und wir alle wissen, wie extrem erfolgreich diese Firmen damit sind.
Die zweite Voraussetzung ist der tief im Unternehmen verankerte Wille, die Welt besser zu machen – ihr größtmöglichen Nutzen zu geben.

3 Den Nutzen verbalisieren – die magische Formel – das Mantra!

Viele Firmen drücken ihren Nutzen in einem 50 Wörter langen Mammutsatz aus. Mission Statement oder Leitbild nennt sich das dann. – Mal ehrlich: Wenn du das liest – Kennst du danach wirklich die tiefere Bedeutung dieses Unternehmens?

Was jede Firma braucht, ist eine zwei, drei maximal vier Wörter umfassende, magische Formel – ein Mantra. Die Amerikaner sind genial in der Formulierung von Mantras. Nike zum Beispiel arbeitet mit dem Slogan „Authentic athletic performance“
Wenn du entschieden hast, welchen Nutzen du bieten kannst um die Welt zu verändern, drücke es mit zwei bis drei, maximal vier Wörtern aus. Kein IQ-135 erforderndes, seitenlanges Mission Statement – kurz, pointiert, präzise.

4 Der Mut zur Unvollkommenheit – Crappiness!

Die Amerikaner sagen: Don’t worry, be crappy. Übersetzt bedeutet das: Habe Mut zur (vorübergehenden) Unvollkommenheit. Dies sind zwei der schwierigsten Herausforderungen für germanisch-stämmige Menschen und Innovatoren 😉
Erstens: Die Neinsager und Pessimisten ignorieren, die dir sagen werden: „Das geht nicht, das ist nicht möglich.“ – Neinsager und Pessimisten sind wie eine Grippe. Du musst ihr ausgesetzt sein, damit du, wenn du einem Hardcore Pessimisten begegnest – bereits Antikörper gebildet hast.
Zweitens: Deine revolutionäre Innovation herausbringen, ohne dass vielleicht alles perfekt ist. – Wenn wir immer warten, bis die nächste Chip Generation auftaucht, bis das Produkt noch besser, noch perfekter ist, kommen wir niemals auf den Markt. – Wenn du eine echte Innovation geschaffen hast, ist es in Ordnung, wenn anfangs nicht alle Details perfekt sind.
Ich sage nicht, dass wir fehlerhafte Produkte ausliefern sollen. Ich sehe gelassen, dass bei einer Revolution noch nicht alle Details so perfekt sein können, wie sie in späteren Ausführungen sein werden.

5 Hab keine Angst, die Menschen mit deinem Produkt zu polarisieren. –  Polarize People!

Großartige Innovationen polarisieren die Menschen. Du liebst das iPhone oder du hasst es – du liebst einen Porsche oder du hasst ihn. Ich meine damit nicht, dass du die Menschen absichtlich vergraulen sollst, sondern ich weiß, dass großartige Produkte die Menschen immer polarisieren werden. Hab also keine Angst davor und werde immun dagegen, wenn sich die Menschen über dein Produkt kontrovers äußern und es unterschiedlich bewerten. Polarisierung bringt die Menschen dazu über deine Innovation zu sprechen – eine wichtige Voraussetzung, damit sie sich am Markt durchsetzt.

6 Niemals Stillstehen – Keep it moving!

Als innovatives Unternehmen hältst du deine Produkte und die Firma immer in Bewegung. Im Vergleich zum vierten Punkt musst du dich, sobald du mit einer
Innovation auf dem Markt bist, darauf konzentrieren, den Menschen genau zuzuhören, um dein Produkt stetig zu verfeinern und anzupassen: Version 1.0, 1.1, 1.2., 2.0, 3.0, 4.0 – du verbesserst und verbesserst und verbesserst. Keep it moving.

7 Alles über Marketing – Geh’ in die Nische!

Alles was du über Marketing wissen musst ist die einfache und bekannte 2 x 2-Matrix: auf der Y-Achse messen wir die Einzigartigkeit des Produkts oder der Dienstleistung, auf der X-Achse den Wert, den das Produkt für die Menschen hat.
Starten wir rechts unten: hoher Wert, aber nicht einzigartig. Ich nenne das die „Ich auch“-Ecke. Hier schlägst du dich mit vielen Wettbewerbern um dasselbe Produkt: Dieselbe Funktion, das selbe Aussehen, du verkaufst nur über den Preis.

In der gegenüberliegenden Ecke hast du etwas Einzigartiges. Nur du machst das – aber es hat nur einen geringen Wert. Wer sich mit seinem Unternehmen in dieser Ecke rumtreibt, ist schlicht und einfach töricht. Ecke unten links. Geringer Wert und gewöhnlich. Ich nenne diese Bereich – die „Ich muss“-Ecke. – Dazu gehören alle Produkte, die du notwendigerweise kaufen musst: Toilettenpapier, Lebensmittel, Tierfutter.
Das ist die unangenehmste Ecke. – Steve Jobs hat diese einmal die Bozzo Zone genannt: Geringer Wert und gewöhnlich.
Die Ecke, in der wahre Innovationen entstehen und in der alle sein wollen, ist oben rechts platziert: hoher Wert und absolute Einzigartigkeit. Das ist der Königsweg. – Überprüfe also, wo du in deinem Unternehmen mit Blick auf dem Nutzen für die Welt stehst. – (Inspiriert von Guy Kawasaki anlässlich seines Vortrags bei TEDxBerkeley 2014)
Teile mir gerne deine Erfahrungen mit!

Innovation ist kein Zufall. Innovation kann trainiert und erlernt werden.

Author: Marc Gareis
www.innovandom.de

 

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